Offener Brief der Initiative „Lucius-Burckhardt-Platz bleibt!“

An den Präsidenten der Universität Kassel Reiner Finkeldey, den Kanzler Oliver Fromm, den Baubeauftragten zur Erschließung Campus Nord Klaus Sausmikat, den Pressesprecher Sebastian Mense und das Landschaftsarchitekturbüro K1

Betreff: Ihre Mitteilung auf der Internetseite „Die Universität Kassel baut“

Werte Herren,

bezugnehmend auf Ihre öffentliche Mitteilung auf der Internetseite „Die Universität Kassel baut“ vom 17.05.2016 („Bauarbeiten westlich des Campus Centers – Einige Änderungen gegenüber ursprünglicher Planung“) müssen wir, die Initiative „Lucius-Burckhardt-Platz bleibt!“, erneut größte Verwunderung und Verärgerung über Ihr weiterhin wenig kooperatives Verhalten zum Ausdruck bringen: Bis zum 16.05. wurde uns Zeit gegeben (also gerade einmal vier Tage inklusive zweier Feiertage) um uns zu den zwei vorgeschlagenen Varianten der Bauablaufplanung zu äußern. Trotz des hohen Zeitdrucks haben wir es in einem Abstimmungsprozess innerhalb der vielfältigen Gruppe (Studierende, Mitarbeiter*innen der Uni, Anwohner*innen) geschafft, uns innerhalb der Frist zu Ihren Planungen zu verhalten – die Öffentlichkeitsreferentin des AStA, Raphaela Becker, hat diese Stellungnahme pünktlich an Sie gesendet. Die Stellungnahme wurde nicht nur durch die Initiative, sondern ebenso, klar und deutlich, durch den studentischen Treffpunkt Café Desasta unterstützt.

Ihre Reaktion?

Sie behaupten öffentlich,

  • dass es diese Stellungnahme nicht gegeben hätte (schicken Ihre Antwort sogar in genau der Mail, in der diese Stellungnahme steht, was es uns sehr leicht macht, das Gegenteil zu beweisen);
  • dass lediglich „Personen außerhalb der Universität“ unzufrieden mit Ihren Angeboten waren und daher eine Neugestaltung des Platzes inklusive Mitbestimmungsprozess fordern, während die Initiative wiederholt in direkten Gesprächen und vielen Mitteilungen und Texten darauf verwiesen hat, dass sehr wohl eine große Anzahl von Uni-Angehörigen darin aktiv ist und zudem das Studierendenparlament in dessen letzter Sitzung einen Beschluss verabschiedet hat, der ganz klar der Initiative einen festen und legitimierten Platz in den Verhandlungen zur Campus-Umgestaltung zuweist und darüber hinaus auch das Team des studentischen Treffpunkts Café Desasta die Stellungnahme unmissverständlich unterschrieben hat;
  • dass der Grund für Ihre Ablehnung einer Neuplanung die Sicherstellung eines Evakuierungsplatzes und einer Feuerwehrzufahrt ist, obwohl diese Notwendigkeiten nie von der Initiative oder dem studentischen Treffpunkt Café Desasta infrage gestellt wurden und natürlich in einer Umgestaltung der Planung berücksichtigt werden könnten – viel wahrscheinlicher scheint es uns (und diese Ehrlichkeit hätten wir dann auch erwartet), dass Ihnen Kosten, die Einhaltung Ihrer Zeitpläne und die Durchsetzung ihrer paternalistischen Planung wichtiger sind als Mitbestimmung und Beteiligungsprozesse.

Wir erwarten daher mindestens eine umgehende Richtigstellung Ihrer falschen Angaben auf der Homepage mit Bezug auf die angebliche Nichtexistenz unserer Stellungnahme und damit auch eine Erklärung, warum Sie sich entschieden haben, diese geradeheraus zu ignorieren. So viel Ehrlichkeit und Transparenz fordern wir im Mindesten von Ihnen.

Gezeichnet
die Initiative „Lucius-Burckhardt-Platz bleibt!“

Statement zu den sexistischen und rassistischen Äußerungen Ulrich Kutscheras

Am 11. Juli 2015 gab der an der Universität Kassel beschäftigte Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera dem Rundfunk Berlin-Brandenburg ein Radio-Interview, in dem er die Geschlechterforschung massiv diskreditierte, sozial-konstruktivistischer und kritischer Sozialwissenschaft die (wissenschaftliche) Legitimität absprach sowie in diesen Arbeitsbereichen arbeitende Wissenschaftlerinnen beleidigte. Kutschera bezeichnete im Interview die Gender Studies als „Krebsgeschwür“ und diffamierte darüber hinaus wissenschaftlich tätige Frauen als „hochqualifizierte Möchtegern-Alphaweibchen“, die ihren reproduktiven Aufgaben nicht nachkämen.

Eine sozialwissenschaftliche Analyse der Arbeitsbedingungen im akademischen Bereich, die sich u.a. durch finanzielle und berufsperspektivische Unsicherheiten bei hoher Arbeitsbelastung auszeichnen, hätte hier ein anderes Bild ergeben. In einem Beitrag auf den Seiten der rechten Propaganda-Plattform „Deutscher Arbeitgeber Verband e.V.“ (nicht zu verwechseln mit der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände) schob er am 26. Oktober 2015 nach und bezeichnete „Gender als geistige Vergewaltigung des Menschen“. Zudem verwies er auf die aktuell nach Europa flüchtenden Menschen als eine Masseneinwanderung – er zitiert eine amerikanische Journalistin mit dem Begriff der „Invasion“ – von muslimischen Kämpfern.

Im Lichte dieser Äußerungen ist das, was als mangelnder Respekt gegenüber anderen wissenschaftlichen Disziplinen an U. Kutscheras Einlassungen gemeinhin bemängelt wird, noch das kleinste Übel. Seine Äußerungen sind mehr als nur ein Symptom eines sich allgemein verschärfenden Tonfalls in den Anfeindungen gegenüber kritischen Gesellschaftswissenschaften. In seinen Ausfällen brechen sich vielmehr politische Ressentiments Bahn, die der in den letzten Monaten vielfach beschworenen offenen Gesellschaft, die für Chancengleichheit und die Ermöglichung einer Vielfalt von Lebensentwürfen steht, einen Riegel vorzuschieben versuchen. Als Mitarbeiter*innen der in einer gesellschaftskritischen Tradition stehenden Universität Kassel und verbundenen Kolleg*innen, die an anderen Hochschulen und/oder freiberuflich forschen und lehren, treten wir solchen als Wissenschaft getarnten Brandreden entschieden entgegen, insbesondere wenn sie von einem an derselben Institution beschäftigten Professor kommen. U. Kutscheras Äußerungen sind nicht nur schlechter Stil und im Übrigen auch naturwissenschaftlich im besten Falle fragwürdig, sondern unseriös und politisch reaktionär, weil sie demokratische Verfasstheiten wie Freiheit, Gleichheit oder das Recht auf Asyl unterwandern.

Was U. Kutschera dabei als biologische Fakten ausgibt, kann kaum als unumstößliche Wahrheit gelten. Vielmehr stellen diese vermeintlichen Tatsachen selbst Glaubensbekenntnisse eines positivistisch und naturalistisch verkürzten Wissenschaftsverständnisses dar („Naturwissenschaftler erforschen reale Dinge, die wirklich existieren“, Interview beim rbb am 11.07.2015), während andere Wege des Erkenntnisgewinns und der reflexive Umgang mit Erkenntnisgegenständen disqualifiziert werden. Solche Argumentation bleibt damit stets Ideologie, die zwar zum Schulterschluss innerhalb der eigenen politischen Reihen animiert, aber wissenschaftliche Ausgewogenheit verhindert. Stattdessen präsentiert sie unzulässige Verallgemeinerungen und irrationale Ängste als unhinterfragbare Wahrheiten. In seinem in Kürze erscheinenden Buch „Das Gender-Paradoxon“ baut er etwa den Moneyismus als Irrlehre der Gender Studies auf, obwohl die Erkenntnisse und Herangehensweisen des medizinischen Psychologen John Money in den Gender Studies höchst umstritten sind und eher randständige Bedeutung haben. Scheinbare Gesetzmäßigkeiten wie die Reduktion von Gesellschaft auf biologisch determiniertes Instinktverhalten werden dabei eingeführt, um jede ergebnisoffene Diskussion von vornherein zu unterbinden. Die Komplexität des Realen auf Dualismen von Weiß und Schwarz, Mann und Frau, Kultur und Natur, „Ureinwohner“ und „Eindringling“ zu reduzieren und das Vorhandensein von Zwischentönen oder das Hinterfragen dieser Ordnungskategorien strikt zu verneinen, kann weder die Wirklichkeit (auch nicht die biologische) angemessen beschreiben noch zu konstruktiven Beiträgen in wissenschaftlichen Fragen oder gesellschaftlichen Debatten führen. Demselben Ziel dient die Annahme einer Verschwörung von Frauen – die dort tätigen Männer oder andere Geschlechter werden ignoriert – in Politik und Wissenschaft. Wer Geschlechterforschung als Ideologie verleumdet, will seine Zuhörer*innen und Leser*innen von der Überflüssigkeit wissenschaftlicher Kontroversen überzeugen. Ermöglicht werden die dualistischen Scheinargumente durch eine unsaubere Analyse: Es werden gezielt Dinge vermischt, die nicht zusammengehören, etwa in der Gleichsetzung des politischen Anliegens des Gender-Mainstreaming und der wissenschaftlichen Disziplin der Geschlechterforschung zu einem politisch-wissenschaftlichen Verschwörungskomplex („Und jetzt muss ich halt leider feststellen, dass eine andere quasi-religiöse Strömung […] unter dem Schlagwort oder Deckmantel, unter der Tarnkappe des Gender-Mainstreaming Fuß fasst und immer mehr – gleich einem Krebsgeschwür – auch Fachgebiete erobern möchte. Wir stehen kurz vor einer Genderisierung der Biologie.“, Interview beim rbb am 11.07.2015). Zahlreiche Sozial- und Geisteswissenschaftler*innen haben sich vielfach mit solchen Sprach- und Denkmustern auseinandergesetzt, die zunächst als verbale Ausgrenzungen begonnen haben und allzu häufig in physischer Gewalt mündeten. Der Weg von verbaler Herabsetzung und Bevormundung zur Verweigerung von gleichen Rechten ist historisch meist ein sehr kurzer gewesen. Eine wissenschaftliche oder gesellschaftliche Diskussion wird hier nicht angestoßen, sondern abgewürgt.

Nicht zuletzt aus diesem Grund halten wir einen interdisziplinären Dialog zum Austausch von Gedanken und Erkenntnissen aus verschiedenen Wissenschaftsbereichen für dringend notwendig, ganz zu schweigen von der damit verbundenen intellektuellen Bereicherung. Aus demselben Grund möchten wir aber ebenso deutlich vor einem Denken und einer Sprache warnen, die weder Raum für Diskussion noch Platz für Vielfalt bieten, die ein Innen und Außen in unserer Gesellschaft konstruieren und die Meinungsunterschiede nicht als Anregung zum Austausch betrachten, sondern die Stigmatisierung ihrer Vertreter*innen betreiben. Wir wehren uns entschieden gegen jedwede sexistische Herabsetzung sowie Instrumentalisierung menschlicher Tragödien und menschenverachtende, verkürzende Panikmache, wie U. Kutschera sie vornimmt, und sprechen dementgegen all unseren Kolleg*innen in der Geschlechterforschung und den von U. Kutschera diffamierten, aus Kriegs- und Krisengebieten flüchtenden Menschen unsere Solidarität aus.

Aino Korvensyrjä, Alexander Jöchl, Alexandra Hertwig, Alex Hiller, André Krebber, Andreas Eis, Andreas Hübner, Anil Shah, Anja Gregor (FSU Jena), Anna-Lea Göhl, Anna-Maria Meuth (Universität Münster), Anne Engelhardt, Anne Erichsen, Anne Foerster, Annika Sominka, Aram Ziai, Ayşe Güleç, Barbara Büttner, Barbara Grubner, Beatrice Müller, Bernd Overwien, Bini Adamczak, Birgit Felmeden, Carla Greving, Carmen Mörsch, Choni Flöther, Christa Binswanger, Christa Wichterich, Christiane Rittgerott, Christian Schmidt (PUM), Christian Thein (Universität Mainz), Christine Löw, Christine Mayer, Claudius Torp, Cornelia Schu, Dana Dülcke, Daniela Hammer-Tugendhat, Daniela Krollpfeiffer, Daniel Bendix, Denise Bergold-Caldwell, Dimitri Mader (FSU Jena), Dirk Hülst (Universität Marburg), Dirk Martin, Eckhard Geitz, Elisabeth Bracker, Eric Otieno, Ester Höhle, Fabian Bärig (Hamburg), Fabian Pittroff, Felix Kellerer, Felix Nickel, Floris Biskamp, Franziska Müller, Frauke Mutschall, Frederik Metje, Gerrit Retterath, Gesa Hilgert, Gesine Bade, Gundula Ludwig, Hannah Grün, Hannelore Faulstich-Wieland (Universität Hamburg), Hans Berner, Helen Schwenken, Helene Decke-Cornill, Hendrik Dorgathen, Herbert Posch, Hildegard Scheu, Ina Pallinger (PUM), Ingrid Lohmann, Isabell Lorey, Jakob Krameritsch, Jasmin Daam, Jasmin Dittmar, Johanna Hess, Johanna Schaffer, Johannes Stolz, Jonathan Kropf, Joscha Wullweber, Josephine Brämer, Julia Hauser, Juliane Demuth, Karin Hostettler, Katharina Benderoth, Katharina Fritsche (Universität Lüneburg), Katharina Terörde, Kathrin Ziepprecht, Kerstin Droß-Krüpe, Lars Gertenbach, Lena Thiel, Lisa Carstensen (Universität Osnabrück), Lisa-Marie Heimeshoff, Liza Mattutat, Lukas Ruben Eickholl (autonomes schwul trans* queer Referat Kassel), Magdalena Apel, Maike Bunt, Manuela Westphal, Mareike Bernien, Mareike Böth, Mareike Pfläging, Maren Kirchhoff, Maria Backhouse (FSU Jena), Marianne Brenner, Marianne Pieper (Universität Hamburg), Maria Rupp-Sporrer (Marburg), Marie Schomerus, Marion Näser-Lather, Markus Uhlmann, Mart Busche, Matthias Brunmair, Mechthild Bereswill, Michael Schürmann, Miriam Schanze, Miriam Trzeciak, Nina Lawrenz (FU Berlin), Nina Schumacher, Nina Schuster, Norma Tiedemann, Oliver Emde, Petra Carina Tebaartz, Pinar Tuzcu, Rebekka Thissen, Philip Fehling, Philipp Ratfisch (Universität Osnabrück), Renate Pletl, Ruth Noack, Samia Dinkelaker (FU Berlin), Sara Al-Sayed, Sarah Oberkrome, Sarah Stein, Sascha Willenbacher, Sigrid Schade, Silke Hackenesch, Silke van Dyk, Simone Claar, Simone Mazari (Frankfurt a.M.), Sören Krach, Sophie Hinger (Universität Osnabrück), Sophie Maria Ruby (FSU Jena), Sophie Vögele, Stefanie Dick, Stefanie Dorer, Stefanie Woock, Stefan Laser, Stefan Peters, Steffen Liebig (FSU Jena), Stephanie Dziuba-Kaiser (Universität Münster), Susanne Düring, Susanne Lummerding, Sven Platzek, Tanja Schuck (Universität Frankfurt), Tina Paschedag, Tina Spies (Universität Potsdam), Tine Haubner, Tobias Lühe, Tom Holert, Ulrike Roth (Universität Münster), Ulrike Wagner-Rau (Universität Marburg), Veit Schwab (University of Warwick, UK), Vera Wolf, Vera Zimmermann, Verband feministischer Wissenschafteri*nnen in Österreich, Veronika Warkentin, Yaatsil Guevara Gonzalez (Universität Bielefeld), Yvonne Albrecht.

Weitere Unterzeichnende:

Jannis Eicker, Sebastian Bauer u. Anastastia Blüm u. Rebecca Kleemann (Autonomes Referat für Eltern des AStA der Universität Mainz), Sven Schlicht, Tobias Cepok (GEW Hessen), Lina Eckhardt, Mark Schrödter, Kathleen Pöge (Universität Kassel), Susanne Richter (Universität Bielefeld), Ella von der Haide, Soumya Belabed, Gabriele Jähnert (Humboldt-Universität Berlin), Carolin Wiedemann, Anika Apfel (autonomes Referat für Frauen*- und Geschlechterpolitik Universität Kassel), Björn Klein, Felix Korbinian Schmidtner (Universität Wien), Desiree Seifried (Uni Kassel), Björn Milbradt, Autonomes Feministisches Referat AStA der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Autonomes FrauenLesbenReferat AStA Universität Marburg, Barbara Schäuble (ASH Berlin), Frauen&Schule Hessen e.V., Simon Affolter (Universität Bern), Silja Klepp, Olaf Tietje, Sascha Apazeller (Universität Kassel, Nanostrukturwissenschaften), Iris Welker-Sturm, Ella Ziegler

 

Kontakt für weitere Unterschriften:  kuk[at]riseup[dot]net

„Safety at sea for refugees – Das Alarm Phone und der ungehorsame Blick auf das Mittelmeer“

Plakat Watch the Med-grafik

Plakat Watch the Med (Download PDF)

In diesem Jahr haben sich so viele Menschen wie nie zuvor auf die lebensgefährliche Reise über das Mittelmeer begeben. Sie fliehen aus dem Bürgerkrieg in Syrien oder der Militärdiktatur in Eritrea und suchen Zuflucht in Europa. Die Europäische Union setzt trotzdem weiterhin auf Abschreckung und Abschottung, mit tödlichen Schiffsunglücken als Folge. Das Alarm Phone ist ein Notruftelefon für Menschen, die beim Versuch das Mittelmeer zu überqueren, in Seenot geraten. Aktivist*innen auf beiden Seiten des Mittelmeers betreiben das Alarmtelefon und setzen sich für die Öffnung legaler und sicherer Wege nach Europa ein, um das Sterben im Mittelmeer zu beenden. An diesem Abend wird die Arbeit der Alarmtelefon Initiative vorgestellt. Dabei soll insbesondere die Frage im Mittelpunkt stehen, welche Möglichkeiten und Herausforderungen sich durch den Einsatz digitaler Technologien für transnationale Bewegungen wie dem Alarmtelefon Netzwerk ergeben. Im Anschluss wird über kritische Wissensproduktion, die Notwendigkeit eines ungehorsamen Blicks auf das Mittelmeer, sowie die Gefahr der Komplizenschaft diskutiert werden.

Sophie Hinger ist Mitglied der Alarmtelefon Initiative und aktiv bei borderline-europe. Sie promoviert am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) in Osnabrück und ist derzeit als Marie Curie INTEGRIM fellow an der University of Sussex in England.

Weitere Informationen:
https://www.facebook.com/events/1510170582627129/

Veranstaltung am 02.12., 18Uhr, Universität Kassel in der NP 5, Raum 0109/0110

Die KUK empfiehlt: Tagung „Hochschullehre und Kritik“ 9.-10.10.15

Hier noch einmal der Hinweis auf den Workshop "Hochschullehre &
Kritik“ der vom 9. bis 10.10.2015 an der Uni Kassel (Arnold-Bode-Str. 2,
Raum 0401) stattfindet und von der AG „kritische Lehre“ der AkG und
reflect! e.V. organisiert wird. Das Programm findet ihr im unten

Anmeldungen bis zum 5. Oktober 2015, an:
Workshop-KritischeLehre(ät]reflect-online.org

Programm "Hochschullehre und Kritik" Okt 2015 Kassel

Pressemitteilung der Gruppe „Change Ihringshausen!“: Landkreis Kassel verwehrt Geflüchteten ihr Recht auf angemessenen Wohnraum

Wenn Geflüchtete aus einer Sammelunterkunft ausziehen wollen, sollten sie dafür die nötige Unterstützung bekommen. Trotz vollmundiger Versprechen ist die politische Linie aber ganz offensichtlich eine andere, kritisieren die Betroffenen gemeinsam mit UnterstützerInnen der Gruppe Change Ihringshausen.

Vom sprichwörtlichen „Dornröschenschloss“ ist auf der Homepage des Landkreises Kassel die Rede, gemeint ist die neue Sammelunterkunft für Geflüchtete in der ehemaligen Fritz-Erler-Kaserne bei Fuldatal-Rothwesten, zu der Vizelandrätin Susanne Selbert am 27. Mai den Schlüssel in Empfang nahm. Der Landkreis will hier in Zukunft 75 Menschen unterbringen und ihnen die Möglichkeit geben, sich „in ihrer neuen Heimat erst einmal zu orientieren“. Alles wie im Märchen? Mitnichten: Während der Landkreis versucht, sich mit seinem Einsatz für die Geflüchteten zu brüsten, verwehrt er ihnen gleichzeitig eine angemessene Unterbringung.

Ausgangspunkt für die Neueröffnung der Sammelunterkunft in der ehemaligen Militärkaserne ist die am 15.01.2015 in der Hessischen Rundschau angekündigte Schließung der heruntergekommenen Sammelunterkunft in Fuldatal-Ihringshausen. Den menschenunwürdigen Zuständen in der baufälligen Unterkunft sollte damit ein Ende gesetzt werden. Doch löst die geplante Nachfolgeunterkunft die grundsätzlichen Probleme dieser Unterbringung nicht. Im Gegenteil, ist doch die Fritz-Erler-Kaserne noch isolierter gelegen. Die Geflüchteten werden fern ab von der städtischen Infrastruktur buchstäblich mitten in den Wald geschickt. Statt mit einem Kurswechsel in der Unterbringungspolitik weg von Sammelunterkünften und hin zur dezentralen Unterbringung in Wohnungen, den Menschen würdige Wohnverhältnisse zu ermöglichen, werden die alten Fehler der Massenunterbringung wiederholt.

Diese politische Praxis widerspricht den öffentlichen Äußerungen von Vizelandrätin Selbert, sich verstärkt um die Wohnungsunterbringung von Geflüchteten zu bemühen. Es sei ihr sogar ein großes Anliegen, dass die BewohnerInnen auszögen und sie schenke jedem, der dies täte einen Blumenstrauß. Blumensträuße gab es noch keine, denn ein Auszug ist den meisten der Geflüchteten nicht möglich. Die Gründe hierfür sind vielschichtig. Seit dem 23. April liegt dem Landkreis eine von Change Ihringshausen erstellte Liste mit Personen vor, die aus der Unterkunft in Fuldatal-Ihringshausen ausziehen und in Wohnungen ziehen wollen. Change Ihringshausen sind seitdem keine Fälle bekannt, in denen Geflüchteten Wohnungen angeboten oder Unterstützung in der Wohnungssuche gewährleistet wurde. Zuständig für die zugesicherte Bearbeitung der Liste ist die Auszugsmanagerin, die seit knapp einem Jahr für den Landkreis tätig ist. Die kann allerdings nur aktiv werden, wenn die Geflüchteten die nötigen Voraussetzungen erfüllen: Sie müssen mit hoher Wahrscheinlichkeit einen positiven Asylbescheid bekommen – und das trifft aufgrund der restriktiven deutschen Asylpolitik nur auf einen kleinen Teil der Geflüchteten zu. In Absprache mit der Ausländerbehörde entscheidet der Landkreis somit vor Ablauf des Asylverfahrens, wer das Recht auf eine eigene Wohnung hat und wer nicht.

Wer dennoch zu den wenigen gehört, die eine Auszugserlaubnis erhalten, kann diese in der Regel nicht realisieren. Die Wohnungen müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, zum Beispiel in Bezug auf den Mietpreis und die Wohnfläche, damit der Landkreis die Kosten trägt. Eine noch größere Hürde ist die häufig ablehnende Haltung seitens der VermieterInnen, die oft Vorurteile gegen die Wohnungsvergabe an Geflüchtete haben. Erschwerend kommen Sprachbarrieren hinzu. Die Politik leistet hier aber keinerlei Abhilfe, so sind die Geflüchteten bei der Wohnungssuche auf sich allein gestellt oder auf private UnterstützerInnen angewiesen, die bei Wohnungsbesichtigungen begleiten und bei den VermieterInnen Überzeugungsarbeit leisten. Change Ihringshausen fordert seit langem die Verstärkung des Auszugsmanagement. Ein weiterer Lösungsansatz wäre die Anmietung von Einzelwohnung für Geflüchtete seitens des Landkreises. Auch das geschieht nicht. In Frage kommen für den Landkreis nur größere Objekte, die wie die ehemaligen Militärkasernen als Sammelunterkunft ausgewiesen werden können.

Zurzeit betreibt der Landkreis 15 solcher Unterkünfte, die größten befinden sich wie auch die neu geplante Sammelunterkunft in der ehemaligen Militärkaserne Fuldatal-Rothwesten in bewusst gewählter, isolierter Lage bei Ihringshausen und bei Wolfhagen. Die Menschen leiden dort täglich unter mangelnder Privatsphäre und Abgeschiedenheit. Sie müssen sich auf Dauer Mehrbettzimmer mit unbekannten Menschen teilen. Die räumliche Distanz zur Stadt erschwert und verhindert den Kontakt zum Rest der Gesellschaft, zumal die finanziellen Mittel oftmals nicht für den öffentlichen Nahverkehr reichen. Fuldatal-Rothwesten wird sich für die dort in Zukunft untergebrachten Menschen nicht als Dornrößchenschloss, sondern als das zeigen was es ist: eine Kaserne im Wald. Und so wird sich das vom Landkreis erfundene Märchen einer besseren Unterbringung für die Geflüchteten als Albtraum erweisen.

Hintergrund:

Change Ihringshausen wurde Ende 2013 von BewohnerInnen des Flüchtlingsheims in Fuldatal-Ihringshausen und (ehemaligen)Studierenden sowie MitarbeiterInnen der Uni Kassel gegründet, um auf eine Verbesserung der Lebensbedingungen in der Sammelunterkunft hinzuwirken. Zu diesem Zweck wandte sich die Gruppe mehrfach an die zuständigen LandkreispolitikerInnen. In Anschreiben und dem Angebot einer gemeinsamen Begehung sollte auf die gravierenden Mängeln im Flüchtlingsheim in Ihringshausen aufmerksam gemacht werden. Die verantwortliche Politik ging auf diese Initiativen nicht ein. Die plötzliche Entscheidung das Heim zu schließen, wurde dann erst getroffen, als der Hessische Rundfunk die unhaltbaren Lebensbedingungen im Flüchtlingsheim öffentlich machte.

Change Ihringshausen begrüßte den Entschluss, das Flüchtlingsheim noch innerhalb eines Jahres zu schließen. Jedoch löst die geplante Nachfolgeunterkunft in der abermals isoliert gelegenen Kaserne Fuldathal-Rothwesten die grundsätzlichen Probleme der Unterbringungsform in Sammelunterkünften nicht. Es ist sogar zu befürchten, dass sich Fehler der Vergangenheit wiederholen.

Aus diesem Grund wendete sich Change Ihringshausen und zahlreiche UnterstützerInnen des Anliegens mit einem offenen Brief an die verantwortliche Vizelandrätin Susanne Selbert und den Leiter des Fachbereichs Soziales, Jörg Roßberg. Bei der Übergabe des offenen Briefs am 9. März 2015 im Vorfeld der Kreistagssitzung wurde dann zu einer öffentlichen Gesprächsrunde eingeladen, um über die Möglichkeiten der Unterbringung im Landkreis zu diskutieren.

Am 23. April fand diese Diskussion unter dem Titel “Wir möchten Teil der Gesellschaft sein – Flüchtlingsunterbringung im Landkreis Kassel“ an der Universität Kassel statt. Anwesend waren VertreterInnen des Landkreis Kassel, der Stadt Münster, des Niedersächsischen Flüchtlingsrats und der Gruppe Change Ihringshausen. Trotz der Ankündigung, sich um eine Verstärkung des Einsatzes für die dezentrale Unterbringung der Geflüchteten zu bemühen, setzt der Landkreis weiterhin auf Sammelunterkünfte.

Die Gruppe „Change Ihringshausen!“

Gender untroubled? Strategien gegen (rechten) Geschlechterpopulismus

Die KUK lädt herzlich zur neuen Veranstaltungsreihe ein:

Gender untroubled? Strategien gegen (rechten) Geschlechterpopulismus

28.01.2015 | 20.00
Die AfD und ihre Maskulist_innen
Input und Diskussion mit Andreas Kemper

17.02.2015 | 20.00
Antifeminismus im medialen Diskurs
Input und Diskussion mit Isolde Aigner

Der Vortrag widmet sich antifeministischen Denkmustern in Leitmedien am Beispiel des FOCUS. Anschließend können wir uns in Kleingruppen und anhand von Artikeln mit antifeministischen Strategien auseinanderzusetzen.

04.03.2015 | 20.00
Fantifa. Feministische Perspektiven antifaschistischer Politiken
Lesung und Diskussion mit dem Herausgeber_innen-Kollektiv Fantifa

Alle Veranstaltungen finden im KUK-Raum statt (Uni Kassel | Nora-Platiel-Str. 6 | Raum 0213)

gender_untroubled

 

Die KUK empfiehlt: Soliaktion mit den 43 Studierenden aus Ayotzinapa

Liebe Alle,

wir ihr sicherlich aus den Medien mitbekommen habt, eskaliert derzeit
die Situation in Mexiko. Vor einem Monat sind in Iguala 43
Lehramtsstudierende aus Ayotzinapa nach sozialen Protesten
verschwunden worden. Die Vorfälle sind immer noch nicht genügend
aufgedeckt, der amtierende Präsident Peña Nieto hat sehr spät und
unzureichend auf die Menschenrechtsverletzungen reagiert. Es ist
wahrscheinlich, dass die Studierenden nach der Demonstration von der
Polizei an Mitglieder einer kriminellen Gruppe übergeben und danach
bei lebendigem Leib verbrannt wurden.

Bei den Vorfällen von Ayotzinapa (im Bundesstaat Guerrero) sind nicht
zuletzt die korrupten Verbindungen zwischen Politik und organisiertem
Verbrechen in Mexiko (wieder) deutlich geworden. Und die Morde an den
Studierenden sind kein Einzelfall gewesen. Seit 2006 sind in
Mexiko über 20.000 Mexikaner_innen „verschwunden“, darüber hinaus
werden über 70.000 zentralamerikanische Migrant_innen vermisst. (Bei
beidem liegt die Dunkelziffer sicherlich höher).

In den letzten Wochen sind in Mexiko hunderttausende Menschen auf die
Straße gegangen, um Gerechtigkeit und Aufklärung der Verbrechen
einzufordern und den Rücktritt des PRI-Präsidenten einzufordern. Auch
international hat es viele Solidaritätsaktionen gegeben, die gezeigt
haben, dass die Vorfälle und Situation in Mexiko wahrgenommen werden
und so ein Mittel darstellen, politischen Druck auszuüben.

Wir möchten uns in Kassel an den Solidaritätsaktionen
beteiligen und werden uns deswegen morgen, 26.11.2014, um 14h vor dem
AStA treffen, um ein Foto mit einem Solidaritätsgruß zu schießen und
dies an alternative Medien und Menschenrechtsorganisationen in Mexiko
weiterzuleiten. Kommt vorbei, wenn ihr euch beteiligen wollt.