AntimilitaristInnen beim Hochschulpolitischen Forum

Am 1. Juni nahmen an der Uni Kassel studierende AntimilitaristInnen am Hochschulpolitischen Forum teil. Das ein bis zweimal im Jahr stattfindende Forum steht in der Regel unter der Schirmherrschaft des Präsidiums und hat jeweils spezifische Themenschwerpunkte aus der Hoschulpolitik. In diesem Jahr wurde das Forum erstmals durch eine Podiumsdiskussion begleitet und durch eine Initiative aus dem Senat organisiert. Angeregt wurde diese Initiative durch das ehemalige Antimilitaristische Bündnis Kassels, welches  inzwischen studentisch durch  die AG Anti-Militarismus fortgeführt wird. Durch mehrer hartnäckige Vorstöße der AntimilitaristInnen im Senat  sollte dem Thema Rüstung und Militär an der Uni nun endlich kritisch und öffentlich begegnet werden.
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Vortrag: „Lokomotiven und Panzer, Henschel und Kassel – Entwicklung und Bedeutung eines Kasseler Industrieunternehmens“

Seit die antimilitaristische Initiative an der Uni Kassel im Jahr 2008 das Thema „Rüstung in Kassel“ wieder auf den Tisch brachte und eine öffentliche Debatte um die Verantwortung der Wissenschaft gegenüber der Gesellschaft anfachte ist viel passiert. Antimilitaristischer Aktionen konnten im letzten Jahr einige Erfolge erzielen, die es auch bundesweit in die Medien gebracht haben. Aber auch die inhaltliche Auseinandersetzung soll nicht zu kurz kommen. Daher laden wir ein zum Vortrag „Lokomotiven und Panzer, Henschel und Kassel – Entwicklung und Bedeutung eines Kasseler Industrieunternehmens“ am 18.01.2010.

Ältestes Rüstungsunternehmen deutschlands

Die Rüstungsindustrie war und ist einer der bedeutentsten Wirtschaftszweige in Kassel. Der Campus Holländischer Platz der Universität Kassel hat dabei eine besondere Bedeutung. Hier produzierte die Firma Henschel (heute Thyssen-Henschel), das älteste Rüstungsunternehmen in Deutschland. Der Schwerpunkt des Vortrags wird auf der Rolle von Henschel & Sohn im Nationalsozialismus liegen. Das Unternehmen profitierte unmittelbar von der Politik der Aufrüstung der NS-Regierung.  Sofort nach der Machtübernahme des NS-Regimes erhielt Henschel Großaufträge für Militärlastwagen. In den nächsten zehn Jahren nahm die Produktion für die Wehrmacht etwa 80 bis 90 Prozent der Fertigungskapazitäten für Lastwagen in Anspruch. Auch die Entwicklungsarbeiten für Panzer waren 1933 so weit fortgeschritten, daß Henschel bereits im Dezember die ersten Prototypen liefern konnte und im nächsten Jahr mit der
Serienproduktion begann. Von allen Panzern, die die Wehrmacht bei Kriegsbeginn besaß, hatte Henschel mehr als die Hälfte geliefert. Die Produktion von Panzern („Tiger“ und „Königstiger“) wurde nach und nach zum größten Geschäftszweig, verdrängte die Lastwagenproduktion und überholte die Lokomotivenproduktion, die bis dato an zweiter Stelle rangierte.

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Nächste Runde: Gegen die Militarisierung unserer Uni! Kommt zum Vernetzungstreffen!

Liebe AntimilitaristInnen,

die im Frühjahr 2008 gestartete antimilitaristische Initiative an der Universität Kassel wird einen nächsten Schritt gehen, bei dem alle antimilitaristischen UnterstützerInnen gefordert sind. Die AG Anti-Militarismus der Kritischen Uni Kassel will hierzu im Dezember ihre Forderungen in den Universitätsenat tragen. Hiermit soll unterstrichen werden, dass Militarisierung in Bildungseinrichtungen keinen Platz hat.

Ausgangspunkt dafür war eine Veranstaltungsreihe im Mai 2008, bei der Vertreter von Militär und Rüstung (NATO & EADS) geladen waren. Dabei sollten Innovationskonzepte in der Unternehmenspraxis im Mittelpunkt stehen (Titel „Kooperation Wissenschaft und Wirtschaft“). Schnell bildete sich ein Aktionsbündnis gegen diese Veranstaltungsreihe, um auf diese problematische Kooperation aufmerksam zu machen. Weil kritischer Diskurs seitens der verantwortlichen Referenten nicht zugelassen wurde, sorgte das Bündnis unter anderem für den Abbruch der NATO-Veranstaltung.

Die an die Protestaktionen gebundenen Forderungen:

  • Es darf keine Forschungskooperation mit Rüstungsindustrie und Militär an oder unter Beteiligung der Universität Kassel geben.
  • Es dürfen keine Veranstaltungen von Rüstungsindustrie und Militär an oder unter Beteiligung der Universität Kassel stattfinden.
  • Es dürfen keine Drittmittel aus Rüstungsbetrieben und/oder Militärinstitutionen verwendet werden.
  • Es soll ein fachbereichsübergreifender Ethikkodex erarbeitet werden, der einer verantwortungsvollen wissenschaftlichen Praxis „gegenüber [den] Herausforderungen in Natur und Gesellschaft“ gerecht wird. Dieser soll von einer paritätisch mit Mitgliedern der Universität Kassel besetzten Kommission erarbeitet werden.
  • Die Universität Kassel muss sich ihrer Rolle innerhalb der Gesellschaft, insbesondere in Bezug auf Militarisierung, unter Einbeziehung aller Mitglieder bewusst werden und eine klare Position dazu beziehen. Daher fordern wir regelmäßige Veranstaltungs- und Diskussionsreihen zum Thema Militär und Universität.

…sollen nun auf institutioneller Ebene durchgesetzt werden. Dies stellt einen Ansatzpunkt für notwendige antimilitaristische Arbeit dar. Da diese nicht auf die Universität beschränkt sein soll, braucht es den Austausch verschiedener gesellschaftlicher Akteure. Deshalb soll am 24. November ein Vernetzungstreffen stattfinden, bei dem die genannten Forderungen zur Diskussion gestellt werden sollen, um sie für uns alle in einen angemessenen Rahmen zu setzen.

Das Vernetzungstreffen finden statt:

am 24. November um 17:00 in der Moritzstrasse 2, Raum 1200.


Kontakt:
antimilitarismus[at]gmx.net

AG Anti-Militarismus

Das Treffen ergab folgenden Antrag:

Senatsantrag AG Anti-Militarismus

Der Werbefeldzug der Bundeswehr – Analyse und Kritik

Auftaktveranstaltung der Reihe: Die Militarisierung der Gesellschaft

Nachwuchsgewinnung der BW in Gütersloh

„Gut ausgebildete, gleichermaßen leistungsfähige wie leistungswillige Soldatinnen und Soldaten sowie zivile Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Grundvoraussetzung für die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr“, heißt es im aktuellen „Weißbuch 2006 – zur Sicherheitspolitik Deutschlands und zur Zukunft der Bundeswehr“ des Bundesministeriums der Verteidigung. Trotz eines generellen Personalabbaus beziffert die Armee ihren Nachwuchsbedarf in dem Strategiepapier jährlich mit „20.000 jungen Frauen und Männern“. Um diese zu gewinnen beschreitet die Bundeswehr seit einigen Jahren neue Wege. Mit Sattelschleppern reist sie auf der Suche nach neuen Soldatinnen und Soldaten durch die Republik, auf Websites wirbt sie für eine „Karriere mit Zukunft“, in (Jugend-) Medien schaltet sie ganzseitige Werbeanzeigen. Neben der Nachwuchsgewinnung geht es der Bundeswehr dabei auch um ihr Image: Militärs und Politiker treffen mit ihren ausufernden Auslandseinsätze und dem Bestreben die Armee auch im Inland einzusetzen in weiten Teilen der Bevölkerung noch immer auf große Ablehnung. Dies versucht die Bundeswehr durch eine offensive Öffentlichkeitsarbeit zu ändern.

In der Veranstaltung werden die verschiedenen Bundeswehr-Werbemaßnahmen und die dahinter steckenden Strategien vorgestellt. Nach der Analyse folgt eine Kritik am Werbefeldzug des deutschen Militärs. Es wird eine schicke Power-Point-Präsentation mit vielen Fotos geben! Nach dem Vortrag bleibt Zeit für Diskussionen.

Auf einen Blick:

Vortrag/ Diskussion: Der Werbefeldzug der Bundeswehr – Analyse und Kritik

Referent: Michael Schulze von Glaßer

Wann: Mittwoch, 4. November 2oo9,  18 Uhr

Ort: Nora-Platiel-Str. 6 (WiSo-Pool) / Raum 0212

Erfolgreiche antimilitaristische Aktion!

Heute morgen haben Mitglieder der AG Anti-Militarismus und weitere Freiwillige eine kurzfristig organisierte Protestaktion vorm Kasseler Hotel „La Strada“ durchgeführt. Anlass war eine Castingveranstaltung einer privaten Sicherheitsfirma für die US-Truppenausbildung. Hierbei sollten zivile Statisten für Kriegssimmulationen auf bundesdeutschen Truppenübungsplätzen für die US-Armee angeworden werden, die möglichst afghanischer bzw. arabischer Herkunft sein sollten. Die Statisten sollen den US-Soldaten dabei helfen, sich auf die örtlichen Gegebenheiten in den Kriegsgebieten einzustellen und somit effektiver zu vorzugehen.

Das Casting wurde von der Hotelleitung kurz nach dem Beginn untersagt. Die Hotelleitung war sich nach offizieller Stellungnahme vor den Protestierenden nicht darüber im klaren, wem sie zu welchem genauen Zweck Veranstaltungsräume vermietet hatte. Als die gewaltfreie Protestaktion mit Theaterblut, Transparent, Megafon und Flyern die Hotelführung sichtlich in Verlegenheit brachte, konnte es ihr gar nicht schnell genug gehen, die Firma SST und ihre Veranstaltung vom laufenden Hotelbetrieb auszuschließen. Der Castingleiter Randy Spillmann trat den AntimilitaristInnen mit Unverständnis entgegen und versuchte das Casting zu retten, indem er die friedliche Absicht hinter dem Casting betonte und den Demonstrierenden Verantwortungslosigkeit gegenüber der afghanischen Bevölkerung vorwarf. Dass SST jedoch auch ein Profiteur des Krieges ist und keineswegs ein caritativer Verein, der sich uneigennützig um Deeskalation in den Kriegsgebieten bemüht, leuchtete ihm nicht ein. Die Kriegslogik, in der weiterhin bewaffnete SoldatInnen als KonfliklöserInnen eingesetzt werden und alle anderen Mittel und Wege ausscheiden, wurde von ihm anerkannt. Er gestand in der kurzen Diskussion am Ende sogar ein, dass seine Firma auch nur ein Zahnrad in diesem Kreislauf sei. Erstaunlich, dass diese Erkenntnis kein Grund genug ist, aus diesen Mustern auszubrechen.

Mehrere PressevertreterInnen verfolgten die Protestaktion sehr interessiert und befragte viele Anwesende. HR-Artikel HNA-Meldung Wiesbadener Kurier PR inside

Weitere Infos zur Aktion und zu SST hier auf Indymedia

Danke an alle UnterstützerInnen für die erfolgreiche Aktion.

AG Anti-Militarismus

Vorstellung AG Anti-Militarismus

Die AG-Antimilitarismus wurde gegründet, um an studentischen Widerstand gegen militaristische Vorträge an der Uni Kassel aus dem Jahr 2008 und 2009 anzuknüpfen. Damals protestierten Studierende aus unterschiedlichen Fachbereichen in einem gemeinsamen Bündnis mit einem breiten Spektrum linker Gruppen und Hochschullisten gegen eine Veranstaltungsreihe aus dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften in Kooperation mit einem Rüstungskonzern und der Bundeswehr/NATO.

(Die bisherige Arbeit des ABK ist hier nachzulesen  →    ABK-Dokumentation.)

Das Bündnis mahnte die Verantwortung der Wissenschaft gegenüber der Gesellschaft an, und machte deutlich das die Freiheit von Lehre und Forschung nicht isoliert  von der Erklärung der Menschenrechte stehen kann. Kriegsführung dient nicht der Lösung von Konflikten und zum Erreichen einer freieren und friedlicheren Gesellschaft,  sondern nur zur Durchsetzung von anderen Herrschaftsverhältnissen. Einem Staat, unerheblich ob (bspws.) Deutschland, den USA oder Frankreich oder Institutionen wie der EU geht es zunächst um die Sicherung ihrer politischen und ökonomischen Macht, wenn sie militärische Mittel nutzen. Dies gilt auch für die Militarisierung der europäischen Außengrenzen. Der Flüchtlingsstrom nach Europa hat politische und ökonomische Ursachen. Jahrhunderte hat die sogenannte „Freie Welt“, haben die industriealisierten Länder ihren Wohlstand auf der Ausbeutung und Unterdrückung der (ehemaligen) Kolonien aufgebaut. Bekämpft werden nun die Folgen –  und das sind Menschen, die sich auf ihren riskanten Weg  begeben. Immer wieder wird berichtet, dass sowohl die Grenzschutzagentur Frontex Flüchtlinge aufs offene Meer abdrängt, als auch die Mittelmeerstaaten alles tun um zu Verhindern, dass die Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben das europäische Festland nicht erreichen.

In diesem Semester organisieren wir Veranstaltungen über Kasseler Rüstungsindustrie und die Militarisierung der Gesellschaft. Darüber hinaus arbeiten wir an konkreten politische Forderungen an unsere Universität. Unser Ziel ist Militär und Rüstungsindustrie vom Campus und den Lehrveranstaltungen fern zu halten.

Darüber hinaus wollen wir auch den Rüstungsstandort Kassel als Ganzes kritisch hinterfragen. Unternehmen wie Krauss-Maffei-Wegmann (KMW) und Rheinmetall Defence Landsysteme (RLS) blicken in Kassel auf eine lange Rüstungstradition zurück. Sie treten seit 2002 in einem Joint Venture auch zusammen unter der Marke PSM auf, die ihre neue Schützenpanzerproduktion als „Investition in Sicherheit und Zukunft“ betrachtet – fragt sich nur in wessen Zukunft?

Die AG leistet darum Aufklärungsarbeit, um militaristische Aktivitäten an der Uni und in der Umgebung aufzudecken sowie zu deren Unterbindung beitragen.

Erreichen könnt ihr uns per Mail:  antimilitarismus@gmx.net