Fr 08.06. | 19h | Versandet im Getriebe? – Die Alternativbewegung von den 70er Jahren bis Heute

Mit Arndt Neumann (Vortrag und Diskussion)

Wer in den 70er Jahren für Autonomie und Selbstentfaltung eintrat, wollte nicht länger durch Vorgesetzte bevormundet werden. Heute fordern neoliberale Manager_Innen ihrerseits Autonomie und selbstbestimmtes Arbeiten von ihren Untergebenen ein. War die Alternativbewegung ein Wegbereiter des Neoliberalismus?

Arndt Neumann ist Historiker und hat in seinem 2008 erschienenen Buch „Kleine geile Firmen – Alternativprojekte zwischen Revolte und Management“ die Geschichte selbstverwalteter Betriebe der 70er und 80er Jahre in Deutschland untersucht. Ein kritischer und unverklärter Blick auf frühere Experimente solidarischer Ökonomie kann uns wertvolle Hinweise für unser
heutiges und zukünftiges Handeln geben.

Eintritt ist natürlich frei!
Beginn: 19h c.t. im Selbstverwalteten Zentrum Karoshi (Gießbergstr. 41, Kassel)

Organisiert von SPUNK<< mit freundlicher Unterstützung der Rosa-Luxemburg Stiftung und des Projektrates des AStA an der Universität Kassel

Aufruf zum doppelten Aufbrechen: Einladung zur „Winterschool 2012: Solidarische Ökonomie“, 17. bis 19. Februar, Villach (Österreich)

Aufbrechen 1

Es bricht auf, was schon von Anbeginn in ihm, dem sich seit Jahrhunderten entwickelnden Kapitalismus, angelegt war:

  • dass dieses System wachsen muss und das damit nun an seine äußeren Grenzen stößt;
  • dass trotz des stofflichen Potenzials für ein gutes Leben Bedürfnisse nur dort befriedigt werden, wo Kaufkraft vorhanden ist;
  • dass wir alle in dem, was verharmlosend Wettbewerb genannt wird, gegeneinander  aneinander gekettet sind
  • dass wir uns als Ware Arbeitskraft verkaufen müssen und uns damit unterwerfen müssen – und wehe, wir werden nicht mehr nachgefragt, wehe, wir dürfen uns nicht mehr unterwerfen …
  • dass wir immer fort neue Bedürfnisse schaffen müssen, uns zu belieferungsbedürftigen Mängelwesen degradieren müssen, auf dass das Hamsterrad sich weiter drehe
  • dass all die anderen Subsysteme, die erst diese „ungesellschaftliche Gesellschaftlichkeit“ am Laufen halten – die „öffentliche Hand“, die familiäre Reproduktion („Keimzelle des Staates“) – selbst nicht nur aus patriarchalen, autoritären Verhältnissen entstammen, sondern auch vielfältig vom dominanten „Hauptsystem“ deformiert und abhängig sind
  • dass die durch rücksichtlose Ausbeutung der Natur entstehenden Folgewirkungen, die am härtesten treffen, die am wenigsten dazu beigetragen und am wenigsten davon profitiert haben

Dieses Aufbrechen mag man nun „Krise(n)“ nennen. Aber verdeckt der Begriff der Krise nicht auch das Potenzial, zu überwinden, was uns krank macht?

Aufbrechen 2

Wir müssen aufbrechen. Nicht in Agonie verharren – raus aus dieser Scheiße! Aber wohin? Nun, dies mag zwar nicht im Detail klar sein, aber klar zeichnen sich die Konturen unseres Zieles ab:

  • Ein Miteinander ohne Konkurrenz
  • Ein Miteinander, in dem nicht die Kaufkraft für die Erfüllung der Bedürfnisse zählt
  • Ein Miteinander, in dem Bedürfnisse nicht künstlich geschaffen werden, um das System am Laufen zu halten
  • Ein Miteinander, in dem auf gleicher Augenhöhe ausgeredet wird, was wir wie herstellen und nutzen wollen
  • Ein Miteinander, das die Endlichkeit des Globus respektiert

Was nicht klar ist, ist, wie wir dorthin kommen. Welche Wege müssen wir gehen? Was ist ein Irrweg? Was ist ein Umweg? Was ist ein Holzweg? Gibt’s den direkten Weg?

Und: Wer will überhaupt mit uns gehen? Was nehmen wir mit auf den Weg – was haben wir im Rucksack, bewusst und unbewusst? Gibt’s Etappenziele? Wo können wir rasten, ohne erst wieder auf unserem Wege zu „versumpfen“?

In diesem Sinne laden wir alle, die sich mit diesem Ziel identifizieren können, sich im Rahmen der Winterschool zusammenzusetzen, voneinander zu lernen, zu reflektieren, zu diskutieren, zu streiten, abzuwägen, Neues kennenzulernen, Kooperationen anzubahnen…

Für weitere Informationen, Anmeldung und Kontakt siehe vorherigen Artikel auf diesem Blog oder bei

Das momentane Orga-Team der Winter School (in alphabetischer Reihung):
Thorsten Endlein, Andreas Exner, Brigitte Kratzwald, Flo Ledermann, Walther Schütz

2. WINTER SCHOOL “SOLIDARISCHE ÖKONOMIE” – 17.-19.2.2012 – KÄRNTEN

Liebe Leute! Nachdem wir glauben dass die Winter School im Frühjahr 2011 eine sehr angenehme und erfolgreiche Sache war, gibt es eine gute Nachricht:
es soll auch im Februar 2012 wieder eine Winter School in Villach geben!

Einladung & Call For Contributions zur
2. WINTER SCHOOL “SOLIDARISCHE ÖKONOMIE” – 17.-19.2.2012 – KÄRNTEN

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Immer mehr Menschen interessieren sich für ein Wirtschaften, das auf
Gleichheit, Partizipation und Solidarität beruht, das die Bedürfnisse in
den Mittelpunkt stellt und dem Profitstreben eine Absage erteilt.
Vielfältige Beispiele – von Gemeinschaftsgärten und Kostnixläden über
Transition Towns bis hin zu Kooperativen und besetzten Betrieben –
zeigen: “Ökonomien von unten” bieten eine Alternative zu Staatsplanung
und Kapitalverwertung. Es ist jedoch noch viel zu tun, um Solidarische
Ökonomie zu einer tragfähigen Perspektive zum Kapitalismus und seiner
Krise zu entwickeln.
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Die “Winter School Solidarische Ökonomie” lädt Euch und Sie in diesem
Sinn zum 2. Mal zu Beiträgen in entspannter und doch intensiver
Atmosphäre ein. Workshops und Diskussionsrunden sollen der Vernetzung
von Aktivist*innen, dem Erfahrungsaustausch und der Planung von
Projekten dienen. Daneben wird es viel Gelegenheit zu lockerem
Beisammensein und Entspannung geben.

Um Interessensbekundungen und Ideen zu Workshops, Diskussionsrunden oder
Filmscreenings für die Winter School 2012 wird gebeten, ebenso um
Voranmeldungen für die Teilnahme. Das Programm wird nach Einlangen der
Beiträge im Jänner 2012 erstellt und über diese Verteiler wieder
ausgesandt. Kontakt: krisu ÄT riseup.net

Im Sinne eines direkten und barrierefreien Austauschs wird die
Arbeitssprache Deutsch sein, wir freuen uns aber natürlich besonders
über internationale Beteiligung! Eine limitierte Anzahl von
Gratis-Schlafplätzen mit Waschgelegenheit (privat und am
Veranstaltungsort) ist vorhanden. Bei Anmeldung bitte
Übernachtungswünsche bekannt geben. Ansonsten gibt es die Möglichkeit,
in einer Jugendherberge zu übernachten. Frühzeitige Buchung von Vorteil.

Anmeldefrist für Workshops & Inputs: Mo., 16. Jänner 2011

Kontakt: krisu ÄT riseup.net

Zeit: Fr, 17. Februar 2012, Beginn 11.00 Uhr
bis So, 19. Februar 2012, Ende 15.00 Uhr

Ort: Volxhaus Villach

Veranstalter_innen: Kritische & Solidarische Universität
http://krisu.noblogs.org/ und ÖIE Kärnten http://www.kaernoel.at/oeie/

Projektbericht veröffentlicht: „Dezentrale und Demokratische Energieversorgung als Baustein Nachhaltiger Regionalentwicklung“

Das Seminar

Studierende aus den Ingenieurs-, Gesellschafts- und ökologischen Agrarwissenschaften – zugleich AktivistInnen der Kritischen Uni (KUK) – konzipierten ab Dezember 2009 ein interdisziplinäres Projektseminar. Im Fokus standen die komplexen Verbindungen technischer, ökologischer und sozialwissenschaftlicher Zugänge auf die Phänomone Klimawandel und Ressourcenfrage.
Skeptisch waren die Studierenden gegenüber der, in politischer Öffentlichkeit dominierenden Betrachtungsweise, die diese Probleme allein durch technische Modernisierung zu lösen versuche. Im Gegensatz dazu verfolgte das Seminar eine ganzheitliche Herangehensweise, welche die gesellschaftlichen Verhältnisse von Produktion und Konsum ebenso in den Blick nahm, wie eine kritische Betrachtung neuer „grüner“ Technologien. Der analytische Teil von Ursachen und Folgen wurde ergänzt durch einen praktischen Teil, in dem die Begleitung einer regionalen Energiegenossenschaft im Zentrum stand. Ziel war es einen gegenseitigen Lernprozess anzustoßen, indem die Studierenden ewas über die Herausforderungen im Implementierungsprozess erneurbarer Energien erfuhren und gleichzeitig den engagierten Bürgern* mit ihrem Wissen und v.a., mit einem interessierten und kritischen Blick „von außen“, unterstützende Anregungen zu geben. Im Hintergrund stand die Erkenntnis, dass die globale Klima- und Energiefrage ebenso ein Teil der globalen sozialen Frage ist. Demnach sei es notwendig, dass Lösungswege die Aspekte Demokratie und soziale Gerechtigkeit explizit mit einbeziehen. In der Debatte um Solidarische Ökonomie –  die auch Genossenschaften miteinschließt – wird dieser Zusammenhang thematisiert.

Genesis im besetzen Hörsaal

Für den universitären Kontext ungewöhnlich war nicht nur der selbstorganisierte Charakter des Seminars sondern auch der Entstehungskontext. Im November 2009 ballten sich gleich zwei große Protestereignisse. Während viele tausend Menschen anlässlich des UN-Klimagipfels COP 15 auf den Straßen von Kopenhagen gegen die Klimapolitik der Industriestaaten protestierten, hielten europaweit Studierende Universitätsräume besetzt und bäumten sich massenhaft gegen die Bologna-Reformen auf. Auch in Kassel verteidigten die BesetzerInnen mit viel Einsatz ihren Freiraum, organisierten Vorträge und Workshops, diskutierten und arbeiteten fieberhaft an ihrer Resolution. In dieser aufgewühlten Stimmung, gespeist aus diesen unterschiedlichen sozialen Kämpfen, entstand die Idee zu dem Seminar.

Nischen erkämpfen

Erfreulich ist die Tatsache, dass das Thema mittlerweile Eingang in den regulären Veranstaltungsbetrieb der Universität gefunden hat. In diesem Semester begleitet wieder ein Seminar, hauptsächlich bestehend aus Studierenden der Fachbereiche Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, eine regionale Energiegenossenschaft. Hoffnungen für eine zukünftige interdisziplinäre Kooperation im Feld partizipativer Energieversorgung zwischen den Gesellschaftswissenschaften und dem Studiengang Umweltingenieurwesen erscheinen nicht unbegründet.

Der Projektbericht kann hier heruntergeladen werden.

„Bündnis Lucius-Burckhardt-Platz bleibt!“ veröffentlicht Resolution

Zum jetzigen Zeitpunkt haben etwa 100 Vereine, Initiativen und Einzelpersonen, darunter BewohnerInnen der Nordstadt, LokalpolitikerInnen und Angehörige der Universität, die an den Senat der Universität Kassel gerichtete Resolution des „Bündnis Lucius-Burckhardt-Platz bleibt!“ unterzeichnet.
Die Kritische Uni Kassel (KUK) hatte sich bereits am 2. April in einer Presseerklärung zur Auseinandersetzung um den Platz positioniert.
Wir veröffentlichen an dieser Stelle die Resolution als pdf.

Impressionen von der Winter School „Solidarische Ökonomie“ in Villach

Über 40 Teilnehmer*innen diskutierten vergangenes Wochenende unterschiedliche Auffassungen, Zugänge und Wege zu einer Solidarischen Ökonomie. Organisiert wurde die Winter School von der krisu, der Kulturinitiative Kärnöl und der OIE Kärnten. Das Feedback der Teilnehmer*innen war durchwegs positiv. Eine gute Arbeitsatmosphäre, leckeres Essen und ein freundlicher Umgang miteinander prägten das Wochenende. Es bleibt zu hoffen, dass die spürbare Motivation und das erlangte Wissen in die eigenen Zusammenhänge transportiert werden können.

Eröffnet wurde die Runde von Brigitte, die mit ihrem Vortrag Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Solidarischer Ökonomie und der Commons-Debatte darstellte. Dabei kritisierte sie den Begriff Gemeingüter, der als Übersetzung von Commons Einzug in die deutschsprachige Debatte gehalten hat,  als verkürzt. Commons beziehe sich nicht alleine auf materielle Güter, sondern umfasse mehrere Dimensionen, in denen Güter oder Ressourcen nur einen Teil bilden. Weiterlesen

Unsere Schwester im Süden: krisu lädt zur winter school „Solidarische Ökonomie“ nach Kärnten

Nicht nur in Kassel, sondern auch Andernorts wurden im Zuge der Bildungsproteste 2009 Räume für ein selbstbestimmtes, solidarisches und kooperatives Lernen und Leben geöffnet. Unsere kleine Schwester, die krisu (Kritische und Solidarische Uni Wien) wurde ein halbes Jahr nach uns geboren.  Seit dem ist viel passiert. In beiden Projekten beschäftigen sich Menschen mit der Suche nach Wegen, die uns ein Sück näher an die Überwindung der Warengesellschaft führen. Ein sporadischer Austausch zwischen Aktivist_innen und Forscher_innen beider Projekte zum Themenfeld „Solidarische Ökonomie“ besteht bereits und wartet darauf ausgebaut zu werden. Deshalb veröffentlichen wir an dieser Stelle die Einladung zur winter school „Solidarische Ökonomie“ (25.-27.02.2011 in Villach/ Österreich).

Immer mehr Menschen interessieren sich für ein Wirtschaften, das auf Gleichheit, Partizipation und Solidarität beruht, das die Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt und dem Profitstreben eine Absage erteilt. Vielfältige Beispiele – von Gemeinschaftsgärten über Transition Towns bis hin zu Kooperativen und besetzten Betrieben – zeigen: “Ökonomien von unten” bieten eine Alternative zu Staatsplanung und Kapitalverwertung. Es ist jedoch noch viel zu tun, um Solidarische Ökonomie zu einer tragfähigen Perspektive zum Kapitalismus und seiner Krise zu entwickeln.

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