Freiraum an der Uni Kassel massiv bedroht!

Die seit dem Bildungsstreik im Juni 2009 bestehende Initiative Kritische Uni Kassel (KUK) muss wieder um ihren Raum kämpfen. Der sogenannte KUK-Raum liegt zentral auf dem Campus der Universität Kassel am Holländischen Platz und gilt spätestens seit der permanenten Aneignung im Dezember 2009 als Freiraum für Studierende und sonstige Interessierte, die dem verkürzten (Un)Bildungsverständnis an der Hochschule widersprechen wollen und Alternativen praktizieren möchten. Die KUK versteht sich als offene Plattform für diejenigen, die gemeinsam im Prozess ein emanzipatorisches Bildungsverständnis aufbauen wollen und dabei den gesamtgesellschaftlichen Kontext als unverzichtbar ansehen.

Am 8. Dezember 2009 willigte das Präsidium nach hartnäckigen Hörsaalbesetzungen ein, den KUK-Raum den Bildungsstreikenden in Kassel zur Verfügung zu stellen. Das geschah schriftlich mit der Zusage der studentischen Selbstverwaltung für die Dauer der bundesweiten Bildungsstreikaktivitäten. Die Bildungsstreikaktivitäten sind in ihrer Form zwar vielerorts verschieden, aber alles andere als beendet.

Ein Mitglied der studentischen Initiative KUK konnte nach der Raumübertragung des Präsidiums völlig rechtmäßig eine Schlüsselberechtigung bei der Standortverwaltung der Universität erlangen. Diese wurde zunächst befristet erteilt, konnte aber in der Zwischenzeit verlängert werden. Formal ist die Schlüsselberechtigung für den Raum unabhängig vom Schreiben des Präsidenten zur Raumübertragung, das Schlüsselrecht ist also eine zusätzliche Maßnahme zur Sicherung des Freiraums durch die Initiative.

In einem Schreiben des Kanzlers der Universität Kassel vom 15. März 2010 werden die Studierenden der Initiative aufgefordert den Raum zum vereinbarten Zeitraum frei zugeben. Ein vereinbarter Zeitraum, laut des Kanzlers der Beginn des Sommersemesters 2010, wurde jedoch nie zuvor erwähnt. Trotz einer intensiven Nutzung des Raumes durch die Initiative der Kritischen Uni Kassel wurde einem Antrag auf Verlängerung des Schlüsselrechtes durch das Präsidium nicht nur nicht nachgekommen, vielmehr wurde nun auch die Raumnutzung untersagt.

Die Begründung dabei ist besonders zweifelhaft, denn der Kanzler bezeichnet die bundesweiten Bildungstreikaktivitäten mit dem Ende des Wintersemester 2009/2010 als eingestellt. Der Raum würde für den regulären Seminarbetrieb benötigt, die Anliegen der Initiative seien in gewählten Gremien der Universität weiter zu behandeln. Die Argumentation ist nicht nur eine Frechheit, da sie offensichtlich ungeprüft die Bewegung für nichtig erklärt, sondern auch Beweis für die konsequent ignorante Auseinandersetzung des Präsidiums mit den Anliegen und den Argumenten der studentischen Initiative, die in der Begründung nicht einmal erwähnt und somit negiert werden.

Am 1. April 2010 folgte das neuste Kapitel in diesem Raumkonflikt. Die schlüsselberechtigte Studierende wurde telefonisch vom Leiter der Standortverwaltung in zu verurteilender Art und Weise aufgefordert den Schlüssel persönlich bei ihm abzugeben. Dabei schüchterte der Standortverwalter der Universität Kassel die Studierende massiv ein und kündigte ihr praktisch telefonisch die Schlüsselberechtigung. Sie wurde in bedrohender Form aufgefordert, zu einem von ihm diktierten Termin (6. April) persönlich in der Standortverwaltung zu erscheinen und den Schlüssel abzuliefern. Diese Verfahrensweise ist absolut unüblich. Kern der Einschüchterung war die Androhung, die Studierende bei Nichtbefolgung persönlich für alle folgenden, nicht von ihm genehmigten Aktivitäten im KUK-Raum verantwortlich zu machen. Diese Drohung stellt nicht nur einen inakzeptablen Akt der psychischen Gewalt dar, sondern verdreht Tatsachen. Denn die Raumnutzung und die Selbstverwaltung wurde nicht ihr, sondern den bildungsstreikenden Studierenden überlassen. Die Schlüsselberechtigung wird hier unrechtmäßig zum Anlass genommen, sich individuell Verantwortliche willkürlich heraus zu picken und so Druck auf die gemeinschaftliche Initiative auszuüben. Aufgrund dieser forcierten Individualisierung der Verantwortung und der damit verbundenen möglichen Konsequenzen, wurde der Schlüssel wie gefordert zurückgegeben. In diesem Ereignis manifestiert sich wieder einmal das Verständnis der Universitätsleitung für „demokratische Hochschulverwaltung“ und der institutionelle Druck, der Studierenden zuteil werden kann, noch bevor sie entscheiden können, sich einer Weisung zu fügen, oder nicht.

Für die Räumung wurde eine Frist bis zum Donnerstag, den 8. April 2010, gesetzt.

Die Initiative verurteilt alle Repressionsversuche der Kasseler Universitätsleitung sowie der Standortverwaltung auf das Schärfste und fordert weiterhin den Raum 0213 in der Nora-Platiel Straße. Mit der angefügten Protestbekundung könnt ihr die Universität zu Abkehr von ihrem absolut zweifelhaften Vorgehen auffordern.

Das kann auf dem Postweg oder auch per E-mail an den Präsidenten geschehen.

►►► ZUR PETITION ◄◄◄


1 Antwort zu “Freiraum an der Uni Kassel massiv bedroht!”

  1. Aktuell ist der Raum der KUK verweigert. Die Veranstaltungen werden trotzdem stattfinden. Treffpunkt dafür ist in der Regel vor dem KUK-Raum, wenn nicht anders ausgeschrieben.

    Lösungen werden diskutiert, jeder und jede ist weiterhin herzlich beim wöchentlichen Plenum (mittwochs 18 Uhr) willkommen.

Kommentare sind geschlossen.