AntimilitaristInnen beim Hochschulpolitischen Forum

Am 1. Juni nahmen an der Uni Kassel studierende AntimilitaristInnen am Hochschulpolitischen Forum teil. Das ein bis zweimal im Jahr stattfindende Forum steht in der Regel unter der Schirmherrschaft des Präsidiums und hat jeweils spezifische Themenschwerpunkte aus der Hoschulpolitik. In diesem Jahr wurde das Forum erstmals durch eine Podiumsdiskussion begleitet und durch eine Initiative aus dem Senat organisiert. Angeregt wurde diese Initiative durch das ehemalige Antimilitaristische Bündnis Kassels, welches  inzwischen studentisch durch  die AG Anti-Militarismus fortgeführt wird. Durch mehrer hartnäckige Vorstöße der AntimilitaristInnen im Senat  sollte dem Thema Rüstung und Militär an der Uni nun endlich kritisch und öffentlich begegnet werden.

Letztlich wurde dem Forum der Titel „Die Ökonomie des Wissens im sozialen Wandel“ gegeben, was augenscheinlich schon auf eine verallgemeinernde Debatte hinauslaufen sollte.  Dennoch entschied sich die AG dazu auf dem Forum ein deutliches Statement gegen die Militarisierung der Hochschule bzw. der Gesamtgesellschaft zu verfassen und beim Forum anzubringen.  Die deutlichen Worte sollten hierbei Wegbereiter für eine neuerlichen Versuch sein, an der Uni Kassel eine sogenannte Zivilklausel zur Friedensabsicht der Wissenschaft zu installieren. Allein eine ernsthafte Debatte darüber war bis dato stets daran gescheitert, dass Senat und Präsidium weder Raum noch Zeit aufbringen konnten bzw. wollten, um eine gemeinsame Position zu erarbeiten.

Nach einem soziologischen Einführungsvortrag zur Rolle des universitären Wissens in einer marktbestimmten Gesellschaft wurde dem Statement der AG Raum gegeben, bevor AkademikerInnen aus verschiedenen Fachbereichen in die Podiumsdiskussion ihre Positionen zum Schwerpunktthema des Forums vortrugen.

Das Statement blieb bis zur Anschlussdiskussion, bei der Fragen und Meinungen aus dem Publikum miteinbezogen wurden, im Raum stehen. Auch die Debatte zur allgemeinen  Verquickung der Wissenschft mit der Ökonomie blieb jedoch größtenteils blass, denn die Argumentationen verliefen sich meist in Plädoyers für die Verbiegung und gegen die Selbstbehauptung von Wissenschaft. Auch wenn der Moderator der Diskussion durch den Einschub von Zweifeln an der tatsächlichen Freiheit der Wissenschaft zumindest eine kontroversere Perspektive eröffnete, war der Tenor der anderen Podiumsgäste farb- und mutlos. Erschreckend wird wohl einigen ZuhörerInnen die Äußerung eines Vertreters der Wirtschaftswissenschaften in Erinnerung bleiben. Auf das Faktum, dass die Setzung von wissenschaftlichen Themen in Forschung und Lehre zu großen Teilen von ökonomischen Ineressen abhängt und bestimmte Bereiche daher benachteiligt werden, gab er zu verstehen, dass das „nunmal das Leben“ sei. Auch Versuche diese Aussage noch in eine kritisch-reflektierte Bahn zu lenken, konnten spätestens mit der Abschlussbemerkung „und damit müssen wir leben“ nicht darüber hinwegtäuschen, dass Akademiker den Stein der Weisen nicht automatisch schultern können.

Aus antimilitaristischer Sicht am enttäuschensten muss jedoch der Vergleich eines Politikwissenschaftlers angesehen werden. Der Lehrstuhlinhaber für „Globalisierung und Politik“ sprach sich mit dem Argument, dass die Bundeswehr wie das Finanzamt eine demokratisch legitimierte Institution sei, gegen eine Verbannung der gleichen von der Universität aus. FDP-AnhängerInnen könnten die Finazämter ja genauso wenig abschaffen, nur weil sie keine Steuern zahlen wollten. Eine solch gezogene Analogie ist beschämend und wirft ein trauriges Licht auf den besagten Professor, der eine scheinbar gänzlich unkritische Haltung gegenüber als demokratisch gelabelten Entscheidungen in unserer Gesellschaft eingenommen hat.

Der Moderator der Diskussion beendete die Veranstaltung mit einem Hauch von Enttäuschung darüber, dass es dem Forum an greifbaren Anstößen zu Lösungen mangelte. Aus Sicht der AntimilitaristInnen blieb die traurige Erkenntnis, dass die Bereitschaft eine ethische Debatte zu führen, nur sehr eingeschränkt zu erkennen ist.

Hier geht’s zum der AG Anti-Militarismus Statement