Stellungnahme der Kritischen Uni Kassel zum Konzert der Punkband „Boxhamsters“

Zur Stellungnahme des Kulturzentrums Schlachthof

Die Kritischen Uni Kassel begrüßt es, dass sich der Schlachthof offensichtlich mit der Problematik befasst hat und eine Stellungnahme von seiten des Sängers der Band „Boxhamsters“ gefordert hat. Dass dieser es nicht für notwendig hielt darauf zu reagieren hätte mit einer Absage seitens der Veranstalter_innen quittiert werden können. Schade.

Wir sind solidarisch mit den Opfern sexualisierter Gewalt und erteilen den Boxhamsters deshalb eine klare Absage.

Kritische Uni Kassel, 18.01.2011

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Den „Boxhamsters“ eine Absage erteilen! In Kassel und überall!

Am 20. Januar 2012 soll die Punkrockband „Boxhamsters“ im Kulturzentrum Schlachthof in Kassel auftreten.

Vor etwas mehr als 6 Jahren stellte eine Frau Strafanzeige gegen Martin Coburger (Sänger der Band) wegen Vergewaltigung in ihrer Privatwohnung. Trotz der gestellten Strafanzeige kam es nie zu einer Anklage.

Als Reaktion auf den Vorwurf der Vergewaltigung sagte die Band einige folgende Konzerte ab, jedoch gibt es bis heute weder eine Stellungnahme des Täters noch von der Band. Dieser Fall ist ein exemplarisches Beispiel für den Umgang mit von Vergewaltigung betroffener Frauen und den Tätern. Die Tendenz geht eindeutig in die Richtung, dass Frauen in Vergewaltigungsprozessen dazu genötigt werden ihre Glaubwürdigkeit unter Beweis zu stellen und sie mit demütigenden Fragen über ihre sexuellen Vorlieben konfrontiert werden oder ihnen unterstellt wird, dass es sich bei dem Vorwurf der Vergewaltigung um einen Akt der Rache aufgrund unerwiderter Liebe handele. In den meisten Fällen kommt es trotz Strafanzeige gar nicht erst zu einer Verhandlung oder der Täter wird aufgrund „mangelnder Beweise“ freigesprochen. Das Resultat davon ist, dass die Täter, wie auch im Fall von Martin Coburger, ungeschoren davon kommen und ohne jegliche Konsequenzen und in aller Ruhe Gras über die Sache wachsen lassen können.

Aber wir vergessen nicht, egal wie viel Zeit vergangen ist!!!

Wir sind solidarisch mit jeder Frau und mit allen sich anders definierenden Menschen, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Uns interessiert nicht, ob ein Gericht durch ein Urteil die Vergewaltigung anerkennt oder nicht. Jegliche Mitschuld der Betroffenen (der Rock war zu kurz, zu viel Alkohol etc.) lehnen wir entschieden ab. Angesichts dieser Vorfälle fordern wir den Schlachthof dazu auf das Konzert der „Boxhamsters“ abzusagen. Außerdem erwarten wir eine unverzügliche Stellungnahme der Band und insbesondere des Sängers.
Wir werden nicht schweigend dabei zusehen, wie der Schlachthof in Kassel seine kulturellen und pädagogischen Ansprüche durch den Auftritt dieser Band ad absurdum führt.

Erteilt den „Boxhamsters“ eine Absage! In Kassel und überall!!!

Für praktische Solidarität mit den Betroffenen sexualisierter Gewalt.

karoshi, kuk, ak:raccoons, antifa kassel, feminist-attac-kassel 

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Offizielle Stellungnahme der Konzertgruppe des Jugendzentrum Aurich

Betreff: Konzert vom 10.09.05 in Aurich mit den Boxhamsters

Da in den letzten Tagen immer häufiger über die Vorwürfe gegen den Sänger der Boxhamsters spekuliert und diskutiert wurde und wird, fühlen wir als Veranstalter aufgefordert, diese Stellungnahme zu verfassen.

Nach dem Konzert der Boxhamsters am 10.09.05 kam es in der Wohnung der betroffenen Freundin, in welcher die Band auch übernachtete, in den frühen Morgenstunden des 11.09.05 zu einer Vergewaltigung. Des Weiteren kam es in der gleichen Nacht, vor der Vergewaltigung, zu sexueller Belästigung eines minderjährigen Mädchens, ebenfalls ausgehend von Martin Coburger.
Dies Tatsache wurde unabhängig von der Vergewaltigung bekannt.
Es wurde Strafanzeige gegen Martin Coburger erstattet. Die genauen Tathergänge sind uns bekannt, sollen aber an dieser Stelle nicht öffentlich gemacht werden.
Hiermit bekunden wir unser Vertrauen und die absolute Solidarität zu den betroffenen Mädchen.
Wir fordern die Band ( insbesondere Martin Coburger) auf, zu einer öffentlichen Stellungnahme auf.
Wir verstehen das die Publikmachung des Ganzen Wut und Entsetzen auslösen, aber wir bitten euch dennoch sich im Interesse der betroffenen Mädchen jeglichen spekulativen Äußerungen zu enthalten.

2 Antworten zu “Stellungnahme der Kritischen Uni Kassel zum Konzert der Punkband „Boxhamsters“”

  1. Nun könnte man sich auch fragen: Es sind ja nun ein paar Jahre vergangen. Ist denn wenigstens ein Verfahren eröffnet worden? Oder gibt es eine Verurteilung? Hat sich die Geschichte verändert (inzwischen spricht das JuZe ja „nur“ noch von einer versuchten Vergewaltigung – der Unterschied ist schon gravierend)? Hat sich der Rest der Band von Co distanziert – was ja eigentlich zu erwarten wäre, wenn da was dran wäre – sind ja dann doch alle eher dem progressiven Spektrum zuzuordnen? Muss man natürlich alles nicht fragen, wenn man alle Antworten schon hat…

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