Stellungnahme zur geplanten Veranstaltung „Herrschaft durch Sprache“

Die KUK begrüßt die geplante Podiumsdiskussion „Herrschaft durch  Sprache“ und solidarisiert sich mit den Veranstalter_innen (Autonomes Referat für Frauen und Geschlechterpolitik und Referat für Hochschulpolitik des AStAs), die seit der Bewerbung dieser Veranstaltung Anfeindungen ausgesetzt sind. In der Podiumsdiskussion soll geschlechtergerechte Sprache innerhalb und außerhalb der Uni thematisiert werden, um sexistische Reproduktionen durch Sprache zu veranschaulichen und ihr somit vorzubeugen. Es kam zu ausartenden Diskussionen u. a. im StuPa und auf der Facebook-Seite  des AStA, die daraufhin von den Betreiber_innen gesperrt werden musste. Des Weiteren kam es zu Aufrufen die Veranstaltung zu boykottieren oder gar anzugreifen.
Diese Reaktion und die ihr zugrunde liegenden Argumentationen stellen die Bedeutung dieser Veranstaltung für uns nicht in Frage – im Gegenteil: sie unterstreichen umso mehr ihre Relevanz. Vor dem Hintergrund der bestehenden heteronormativ und sexistisch geprägten gesellschaftlichen Verhältnisse erscheinen diese feindlichen, aggressiven Reaktionen absolut unangemessen, jedoch kaum verwunderlich.
Wenn geschlechtliche Ungleichheit und darüber hinaus scheinbar feste Konstrukte, wie Männlichkeit und Weiblichkeit, durch geschlechtergerechte Sprache in Frage gestellt werden, ist es verständlich, dass dies zu Verunsicherungen führt. Soziale Konstrukte geben Sicherheit, da sie die komplexe Welt vereinfachen, indem vermeintlich klare Trennlinien geschaffen werden. Dass diese Trennlinien jedoch keinesfalls natürliche Trennlinien darstellen, sondern mehr oder weniger bewusst erzeugt sind und von der jeweiligen Zeitepoche und der Gesellschaftsform abhängig sind, wird dabei in der Regel vergessen. Diese Konstrukte sind zudem mit gewissen Privilegien verbunden, die mensch verliert, wenn diese Konstrukte an Bedeutung verlieren. So wundert es wenig, dass die Hauptkritiker_innen, der geplanten Podiumsdiskussion männlich sozialisiert sind. Die Angst am Verlust der eigenen Privilegien geht somit mit der Angst vor Verlust an sicherer Klarheit und eindeutiger Kategoriesierbarkeit einher.
Daher ist es von großer Notwendigkeit, uns mit geschlechtlicher Ungleichheit und den sozialen Konstrukten, die sich auch in unserer Sprache äußern (z.B. indem immer nur in der männlichen Form geschrieben und gesprochen wird), mit denen wir leben und die wir ständig reproduzieren, auseinanderzusetzen. Deshalb braucht es Veranstaltungen wie diese! Und gerne mehr davon!
Hiermit rufen wir zum Besuch der heute (29.01.13) um 19:30 Uhr im Hörsaal 1 stattfindenden Podiumsdiskussion „Herrschaft durch Sprache“ auf.

Für einen radikalen Feminismus in der Uni und im Alltag!

4 Antworten zu “Stellungnahme zur geplanten Veranstaltung „Herrschaft durch Sprache“”

  1. Radikaler Feminismus?
    Ich frage mich wirklich, was genau „radikaler“ Feminismus eigentlich sein soll.
    Und folglich: Warum bitte solle radikaler Feminismus gegenüber einem …nunja… eben auf Vernunft basierendem Feminismus bevorzugt werden?

  2. Weil du scheinbar nicht weißt was das Wort „radikal“ bedeutet:

    ra·di·kal

    1. vollständig, gründlich etwas radikal ablehnen, etwas radikal ausmerzen/beseitigen

    z.B. Den sexistischen Strukturen dieser Gesellschaft radikal(vollständig, von Grund auf) entgegenwirken.

    Und noch ein tip für die Zukunft:
    erst denken, dann schreiben:)

  3. wieso Feminismus, wenn die Trennlinien abgeschafft werden sollen? Warum nicht Humanismus, wenn man schon „gründlch“ sein möchte.

  4. weil wir ja leider immernoch in einer patriarchalen Gesellschaft leben! Es geht um die Sichtbarmachung von gesellschaftlichen Strukturen. Deshalb gehts nicht ohne Feminismus und Feminismus ist deswegen auch gründlicher.

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